Festival Mattenstrasse – Carambolage – Spit

Wo die Erlenstrasse und die Mattenstrasse aufeinandertreffen, kommt einiges zusammen: Die Mattenstrasse 74/76 mit dem öffentlichen Wohnhof, die Kollektiv-Bar Carambolage in der Erlenstrasse 34 und die feministische Bibliothek Sp!t in der Erlenstrasse 44. Lasst uns das gemeinsam feiern!

Donnerstag, 20. September bis Sonntag, 23. September, inklusive einer Einwärmveranstaltung am Mittwoch, 19. September!

Kommt zahlreich – wir freuen uns auf Diskussion, Tanz und Solidarität!

Das gesamte Programm gibt es hier als pdf

 

Kino Vagabund im Mattenhof

Donnerstag, 21. Juni und Donnerstag, 28. Juni ab 21 Uhr im Innenhof

Zur Info: Wir werden im ganzen vier Filme zeigen. Im Juli geht es weiter!

Das Kollektiv Kino Vagabund ist ein dynamisches Wanderkino, das in Basel Plätze belebt. Mit der dritten Themenreihe nistet es sich diesen Sommer im Innenhof der Mattenstrasse ein und zeigt Filme rund ums Thema Nachbarschaft.

Wir wollen uns mit euch über Vereinzelung, Selbstorganisation, Nachbarschaft und Allianzen im Quartier austauschen. Wir zeigen Filme, die als Basis für Diskussionen dienen. Die Gründe dafür sind zahlreich und akut!

Donnerstag, 21. Juni, 21 Uhr 

Vorfilm:
En duva satt pa en gren och funderade pa tillvaron
(Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach)
Ausschnitt, Roy Anderson, Schweden, 2014, s/d, 101′

Hauptfilm:
Mon Oncle
Jacques Tati, Frankreich, 1958, f/d, 117′

Donnerstag, 28. Juni, 21 Uhr

Vorfilm:
bolo bolo – Utopia in Zürich
Willi Bühler (Zeitgeist SF), Schweiz, 1987, d, 10′

Hauptfilm:
Das Gegenteil von Grau
Matthias Coers & Recht auf Stadt Ruhr, Deutschland, 2017, d, 90′

Dusse Schloofe!

 

Am Samstag, 2. Juni eigneten sich um acht Uhr circa hundert
Personen den Markplatz an – um dort eine Nacht vor dem Rathaus zu
verbringen. Auf dem Platz wurden behelfsmässige Zelte aufgebaut und
Nachtessen gekocht. Schliesslich übernachteten circa vierzig Personen
unter freiem Himmel mit Mätteli und Schlafsack.

Die Aktion wurde von Recht auf Stadt Basel organisiert, ein
Zusammenschluss von abriss- und kündigungsbedrohten Häusern,
nachbarschaftlichen Initiativen und Einzelpersonen. Wir schliefen
draussen, um symbolisch zu zeigen, dass viele von uns bereits ihr
Zuhause verloren haben oder zu verlieren drohen. Der Steinengraben oder
die Mattenstrasse sind nur zwei bekannte Beispiele, doch gerade in den
ärmeren Basler Quartieren nehmen Massenkündigungen weiter zu.

Fotos:

«Es ist wieder an der Zeit, draussen zu schlafen», hiess es auf dem
Flyer zur Veranstaltung. Damit bezogen sich die Initiant*innen direkt
auf die gleichnamige Aktion, die am 12. Juni 1979 auf dem Marktplatz
stattfand. Nachdem sich Betroffene des Abrisses der Häuser am Unteren
Rheinweg/Florastrasse gegen ihre Verdrängung wehrten, solidarisierten
sich zunehmend andere Mieter*innen. Sie riefen zu einer Demonstration
unter dem Motto «Stopp der Zerstörung von günstigem Wohnraum!» auf. Im
Anschluss schliefen Aktivist*innen auf dem Marktplatz – bis sie von der
Polizei geräumt wurden, was zu harter Kritik an der Polizeistrategie von
SP-Regierungsrat Schnyder führte. Die bedrohten Häuser wurden besetzt,
die mietpolitischen Proteste weiteten sich aus.

Heute leben wir erneut in Zeiten der Wohnungsnot und einer noch
aggressiveren Spekulation mit Wohnraum, währendem das Mietrecht auf
nationaler Ebene angegriffen wird. Dies verlangt nach einem verstärkten
politischen Druck der Stadtbevölkerung. Der Regierungsrat laviert, es
gäbe keine Verdrängung in Basel. Die Zuspitzung der Wohnungsnot
anerkennt er nicht. Nicht einmal die am 10. Juni zur Abstimmung
stehenden minimalsten mietpolitischen Forderungen unterstützt er. Doch
die Weigerung, das Problem anzuerkennen und einen Richtungswechsel in
der Basler Wohnpolitik einzuschlagen, unterstützt direkt die Verursacher
dieser Situation: die renditeorientierten Hauseigentümer, Bauunternehmer
und Immobilientreuhänder, die sich im 4XNein-Komitee versammelt haben.

Sie wissen bestimmt nicht, wie es sich anfühlt, aus seiner Wohnung
geworfen zu werden oder monatelang keine bezahlbare Wohnung zu finden.
Wir wissen es. Wir wissen zudem: Der Markt wird es nicht richten. Darum
machen wir weiter.

Fotoausstellung Wundertüte

ausstellungwundertueteAb dem Freitag, 3. November 2017 bis zum 2. März 2018 werden im Diakonissenhaus in Riehen Fotos unserer Nachbarin Damaris Thalmann ausgestellt. Mit dabei sind auch viele Bilder von Wohnungen und BewohnerInnen der Mattenstrasse 74/76.

Infos zur Ausstellung (als pdf):

Die Suche nach der Wundertüte

3. November 2017 – 2. März 2018

Im Geistlich-diakonischen Zentrum der Kommunität Diakonissenhaus Riehen, Spitalweg 20, 4125 Riehen.

Öffnungszeiten

Dienstag bis Samstag:
10:00 – 11:30 Uhr
13:30 – 17:00 Uhr

Führungen

Mit Damaris Thalmann am
8. Dezember 2017, 12. Januar 2018
und 9. Februar 2018 um 19:30 Uhr.

Damaris Thalmann ist Kunstpädagogin mit einem langjährigen fotografischen Schwerpunkt. Ihre eigene künstlerische Arbeit entspringt aus der Neugier und der Faszination des Fremden und Alltäglichen.

Zu den Mattenstrasse-Bildern schreibt Damaris:

„Wer die Menschen an der Mattenstrasse 74/76 besucht, wird auf offene Türen stossen. Durch das Tor hindurch gelangt man förmlich in eine Oase mitten in der Stadt Basel. Die Menschen, die dort wohnen, leben gemeinsam. Man trifft sich im Innenhof um zu reden, zu essen oder zu feiern. Über die letzten 100 Jahre ist ein historisches Häuserensemble entstanden, welches ein Lebensraum für Begegnungen wurde. Eine Idylle, die schlimmstenfalls nur noch wenige Monate bestehen wird.

Von meiner Wohnung aus kann ich das rege Treiben beobachten und aus Neugier, ausgerüstet mit der Kamera, betrat ich eines Tages den Innenhof und lernte die BewohnerInnen kennen. Durch das Suchen nach Bildern, die den drohenden Abriss und den damit verbundenen Auszug verkörpern, trat ich in Beziehung mit einem Ort, der wunderbares in sich birgt. Jede Wohnungstüre verbarg eine kleine Welt, in der Menschen ein Zuhause gefunden haben. Dass dieser Ort vielleicht bald nicht mehr existiert, ist für mich undenkbar. Die Fotografien sollen aber nicht nur das Schwere und Traurige dokumentieren, sondern auch das Leben, dass sich in diesen Räumen und in dieser Architektur abspielt. Die BewohnerInnen setzen sich für ihr Zuhause vehement ein und stossen damit auf offene, wie auch taube Ohren. Durch die Fotografie wird Begegnung geschaffen und es findet eine Auseinandersetzung über den Erhalt von Lebensraum statt. Die gezeigten Bilder erzählen Geschichten, die das Leben an der Mattenstrasse 74/76 schreibt. Den BetrachterInnen ist freigestellt, was für eine Haltung sie gegenüber solchen Lebensräumen in Städten einnehmen.“