Besitzer

Sondierungsarbeiten
Vorbereitungen für den Abriss

Die Mattenstrasse 74/76 ging nach dem Tod der früheren Besitzerin, Fräulein Schranz, die Zeit ihres Lebens ein offenes Herz für wirtschaftlich benachteiligte Menschen und Familien sowie für Künstlerinnen und Künstler hatte, an den römisch-katholischen Verein «Vinzenz-Konferenz St. Marien» über. Der Verein ist Teil der international tätigen Vinzenzgemeinschaft, die 1833 vom Franzosen Frédéric Ozanam gegründet wurde und der Caritas nahesteht. Mitglieder der Gemeinschaft haben, so sagt es die «Schweizerische Vinzenzgemeinschaft» in ihren Grundsätzen, «ein mitfühlendes Herz und setzen sich uneigennützig zugunsten von Mitmenschen in seelischen oder materiellen Schwierigkeiten ein». Der Verein ist zudem Teil der katholischen «Pfarrei St. Marien» in Basel.

Die Verwaltung des Hauses obliegt der «rm Treuhand AG». Um die Mattenstrasse 74/76 zu entwickeln, wurde im Oktober 2013 die «Mattenstrasse Immobilien AG», gegründet. Das Gründungsjahr der «Mattenstrasse Immobilien AG» fällt in das selbe Jahr, wie die Lockerung des Abbruchschutzes im Wohnraumfördergesetz. Der bekannte Basler Bauunternehmer Martin Cron, Mitglied des Verwaltungsrates der «Mattenstrasse Immobilien AG» und ehemaliger Chef der «Jean Cron AG» bekannte sich in einem Interview vom 15.8.2013 mit der Tageswoche für die Lockerung des Abbruchschutzes beim neuen Wohnbauförderungsgesetz, billigend in Kauf nehmend, dass dadurch günstiger Wohnraum verloren gehen wird. Denn vor Inkrafttreten des Gesetzes 2015 musste bei Abbruch und Neubau von Häusern gleich viel bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Heute ist lediglich gleich viel Wohnraum (in Quadratmetern) zu erbauen, ungeachtet dessen, wieviele Wohnungen geplant sind und ob diese für die vom Abbruch betroffenen Menschen bezahlbar sind.

2015 lud die «Mattenstrasse Immobilien AG» zu einem Ideenwettbewerb ein, welcher vom international bekannten Basler Architekturbüro «HFF Architekten» gewonnen wurde, die seither mit der Ausarbeitung des Projekts vertraut sind. Im Juni 2016 gab die «dietziker Partner Baumanagement AG» bekannt, dass sie als Bauherrenvertretung mit einem Bauvolumen von 5.5 Millionen CHF verantwortlich ist.

Ob auch die katholische Pfarrei St. Marien Basel in das Projekt investiert, ist unklar. Anscheinend hat die Pfarrei eine grössere Summe geerbt, welche sie gewinnbringend anlegen wollte. In einem online abrufbaren Protokoll der Pfarreiversammlung vom 4. Juni 2015 heisst es:

«In einer gewichtigen Angelegenheit sind wir noch nicht substantiell weitergekommen, nämlich hinsichtlich unseres Anlagevermögens. Die Pfarreiversammlung hat letztes Mal beschlossen, die Strategie in Richtung Aktienanlagen oder Immobilien zu richten. Daraufhin hat der Präsident Gespräche mit dem Vinzenzverein aufgenommen, der selbst eine Liegenschaft in Kleinbasel besitzt, die er zu sozialverträglichen Wohnungen umbauen möchte.»

Wie nun im Radiointerview des SRF Regionaljournals vom 19.05.2017 bekannt wurde, will der «Vinzenzverein» heute die Liegenschaft nicht mehr zu «sozialverträglichen Wohnungen» umbauen, sondern 24 Wohnungen zu Marktmiete entstehen lassen.

In einem Schreiben von 2013 hatte der «Vinzenzverein» bekannt gegeben, dass die Mieteinnahmen der Finanzierung der sozialen Projekte des Vereins dienen sollen:

«Die spezielle Lage nahe der Erlenmatt, der Zustand der Liegenschaft sowie auch die Ziele unseres Vereins, mit dem Ertrag aus den Liegenschaften Sozialarbeit in unserer Pfarrei zu betreiben, haben uns motiviert, ein neues Nutzungskonzept auszuarbeiten.»

Dem Wunsch der dort lebenden Bewohnerinnen und Bewohner, in das neue Nutzungskonzept einbezogen zu werden, wurde nicht entsprochen.