Hausgemeinschaft

Die Mattenstrasse 74 und 76 sind weit mehr als die zwei zur Strasse gewandten Häuser, welche um 1900 erbaut wurden. Wenn Neugierige das grosse Eisentor öffnen, betreten sie einen der schönsten Innenhöfe Basels, der uns, die hier lebende Hausgemeinschaft, an einen kleinen Dorfplatz erinnert. Als erstes fällt im Hof das alte Holzhaus (eines der letzten Zeugnisse eines noch ländlichen Baustils in der Stadt Basel) auf, das bereits im 19. Jahrhundert von Abraham Schranz erbaut wurde. Dahinter steht ein weiteres Haus, in dem es neben Wohnungen auch ein Atelier und eine ehemalige Werkstatt gibt. Ein kleiner Schuppen ergänzt das Ensemble. Im Verlauf der über 100-jährigen Geschichte der Häuser ist hier eine besondere Hausgemeinschaft gewachsen.

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Jedes Frühjahr blühen hier der bis zum Dach hochgewachsene Kirschbaum, Sträucher und Blumen sowie der rund 4 Meter hohe Rosenstock. Der mit Efeu bewachsene Schuppen ist ein Paradies für Vögel, die unsere drei Katzen vergebens zu fangen versuchen. Auch Fledermäuse und Mauersegler haben sich neben den hier lebenden Menschen ein Zuhause geschaffen. Vor allem ist der Innenhof aber der gemeinschaftliche Mittelpunkt unserer geteilten Lebenswelt. In 15 Wohnungen und den Ateliers leben und arbeiten heute über 30 Menschen im Alter von 0 bis 75 Jahren: Alleinstehende und Familien, bildende Künstler*innen, Student*innen, Kinderbetreuer*innen und Wissenschaftler*innen sowie ein Übersetzer, Kulturmanager, Entwicklungshelfer, Musiklehrer, Journalist, Theaterpädagoge und eine Naturheilpraktikerin. Das zur Strasse gewandete «Café Samstag» wird ebenso von einer Bewohnerin betrieben und serviert dem Quartier täglich frische Sandwiches, Suppen und Salate sowie Kaffee und Kuchen.

Die Mattenstrasse 74/76 ist also nicht nur ein funktionierendes soziales Biotop, es strahlt auch auf das Quartier aus. Nicht nur im «Café Samstag» erzählt man sich das Neuste aus der Nachbarschaft und holt seinen Gemüsekorb ab, sondern auch mit den vorbeikommenden «Komposttourist*innen» aus den umliegenden Häusern findet ein reger Austausch statt. Unsere Wohnungen mögen zwar klein sein, und typisch für alte Basler Häuser befinden sich die Duschen in der Küche und die WCs im Treppenhaus, doch sie sind tüchtig: es lebt sich gut in ihnen! Und: Die Wohnungen sind leistbar! Eine kleine, aber feine Zweizimmerwohnung mit Küche kostet hier um die 600 Franken. Dies ist in Basel selten geworden. Doch geht es nach dem Willen der Eigentümer, der «Vinzenz-Konferenz St. Marien», soll dieser bezahlbare Wohnraum zugunsten von Neubauten weichen. Die Hausgemeinschaft, welche als ein soziales Projekt zu verstehen ist, und das herzliche und hilfsbereite Miteinander würden mit dem Abriss der Häuser dem Erdboden gleichgemacht und die hier lebenden Menschen verdrängt werden.