Argumente

Wohnhaus
Das 137 Jahre alte Hüsli

Denkmalschutzwürdiges  Ensemble erhalten…

Im Ensemble des Innenhofs der Mattenstrasse 74/76 steht ein altes Holzhaus von ca. 1880, das damals das einzige Gebäude weit und breit war. Im Verlauf der Geschichte haben sich um dieses Gebäude weitere hinzugefügt: 1898 wurde das weisse Hinterhaus gebaut und ein Jahr später die der Strasse zugewandten, teilweise ortsbildgeschützten Vorderhäuser errichtet. Damit ist der Innenhof Zeuge der sukzessiven Entwicklung der Stadt, die verschiedenen Baustile zeigen die eindrückliche Vielfalt der Architektur, eine spezielle Anordnung, die sich zu einem kleinen Dorf im Innern der Stadt entwickelt hat. Der Denkmalschutz wollte deshalb das gesamte Ensemble schützen lassen – doch der Regierungsrat folgte in seiner «Bauwut» den Argumenten der Besitzer, dem Verein «Vinzenz-Konferenz St. Marien». Wir bedauern sehr, dass der «Vinzenzverein» die historische Bedeutung seiner Liegenschaft nicht erkennt.

…und kein Abriss kostengünstiger Wohnungen…

Seit die Basler Regierung in ihrem Wohnraumfördergesetz von 2013 den Abbruchschutz lockerte, nimmt der Abriss von kostengünstigen Altbaubeständen sprunghaft zu. Vom Burgweg zur Mülhauserstrasse, dem Block um die Hoch-/Solothurner-/Pfeffingerstrasse bis zum Steinengraben ergreifen Investoren die Gunst der Stunde, sprechen Massenkündigungen aus und planen Neubauten für gehobeneren Wohnraum oder Büros. Da kaum renovierte Altbaubestände relativ günstig zu unterhalten sind, werden sie für Spekulanten besonders attraktiv. Doch damit geht ausgerechnet der günstigste Wohnraum der Stadt verloren – so günstig kann nirgends mehr gebaut oder renoviert werden.

…auch nicht für «vermeintliche Sozialwohnungen»…

Da der Verein «Vinzenz-Konferenz St. Marien» laut seinen eigenen Statuten soziale und christliche Ziele verfolgt, sollte er unserer Meinung nach «sozialverträgliches Wohnen» auch unter Einbezug seiner noch bestehenden Mieterschaft denken, um auch die Bedürfnisse von Menschen, die auf kostengünstigen Wohnraum angewiesen sind, aus erster Hand zu erfahren.

Ursprünglich wollte die Eigentümerschaft betreutes Wohnen für körperlich eingeschränkte oder alte Menschen ermöglichen. Wir, die Bewohner*innen der Mattenstrasse 74/76 befürworten grundsätzlich soziale Projekte, sind wir doch gleichermassen zivilgesellschaftlich engagiert und ehrenamtlich tätig. Doch hätten wir uns ein inklusives Wohnkonzept gewünscht, indem wir gemeinsam mit neuankommenden Mieter*innen unser herzliches Miteinander fortführen könnten. Denn unterschiedliche soziale Gruppen gegeneinander aufzuwiegen erscheint uns keine vernünftige Überlegung. Das Wohnen hier ist bereits sozial!

…die heute kein Thema mehr sind!

Nachdem der «Vinzenzverein» die Realisierung des Projektes «Betreutes Wohnen» – was unbestritten eine wichtige Wohnform darstellt – heute nicht mehr verfolgt, will er jetzt wie im Radiointerview des SRF Regionaljournals vom 19.05.2017 bekannt wurde, die Liegenschaft in 24 Wohnungen zu Marktmiete umbauen lassen. Für uns stellt sich die Frage, ob nun die Güterabwegung des Regierungsrates, den schützenswerten Altbaubestand zugunsten eines «sozialverträglichen Wohnens» abzureissen, so noch bestand haben dürfte.

ReinenkommenErleDie Gentrifizierung des Rosentals aufhalten

Seit auf dem ehemaligen, zwischengenutzten NT-Areal die Überbauung Erlenmatt – hauptsächlich getrieben durch profitorientierte Unternehmen – realisiert worden ist, verändert sich auch das Quartier Rosental. Bereits spekulieren einige Investoren, dass die Erlenmatt die Mietpreise im Rosental «positiv» beeinflussen könnte. So gab es etwa an der Mattenstrasse 52 bereits eine Massenkündigung; seit ein paar Monaten wird das Haus totalsaniert. Geht diese Entwicklung ungehindert weiter, werden sich in den kommenden Jahren viele Menschen die Mieten in ihrem Quartier nicht mehr leisten können. Der geplante Neubau an der Mattenstrasse ist ein weiterer Schritt in der Aufwertung, die – mögen die Pläne noch so sozial sein – für das Quartier verheerend sein kann. Deshalb gilt es, jetzt der Entwicklung im Rosental entgegen zu treten.

Die Häuser denen, die drin wohnen

Für die Bewohnenden, die zu einem kleinen Dorf zusammengewachsen sind, würde ein Abriss der Liegenschaften den Verlust eines natürlich gewachsenen Organismus bedeuten: Eine offene Gemeinschaft, die sich in einem ungezwungenen Rhythmus trifft und austauscht. Ein Ort, wo Kinder im Innenhof spielen können; ein Ort, wo die Türen der Häuser offen bleiben, weil mensch sich kennt und vertraut. Ein grüner Rückzugsraum mitten im lebendigen Kleinbasel. Das Cafe «Samstag» ist für viele Bewohnende und Arbeitende aus der Nachbarschaft ein Treffpunkt geworden. Dort werden nicht nur frische Sandwiches und Suppen zu erschwinglichen Preisen gegessen, das Cafe fungiert auch als Ort des Austauschs im Quartier. Die hier wohnenden Menschen sind die Mattenstrasse. Ein Abriss würde dieses soziale Biotop komplett zerstören. Die Bewohner*innen haben von Anfang an ihr Interesse bekundet, an der Renovation der Häuser mitzuwirken. Die Bewohner*innen haben auch mit dem Mietshäusersyndikat der Eigentümerschaft einen Kaufantrag gestellt: Damit die Häuser denen gehören, die drin wohnen und den nachfolgenden Generationen Basler Stadtgeschichte erhalten bleibt. Und, damit diese langfristig der Spekulation auf dem Wohnungsmarkt entzogen werden können. Doch der«Vinzenzverein» hält bisher an seinen Plänen fest.

Vielfältiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere schützen

Der Innenhof ist nicht nur ein Lebensraum für Menschen, sondern auch für Tiere und Pflanzen. Hier blühen ein Kirschbaum, es wächst ein Ahorn, eine Weide, der Efeu wuchert um den Schuppen, eine wilde Traube verziert die Vorderhäuser, viele weitere Pflanzen drücken durch den Kiesplatz. So ist der Hof vor allem für Vögel zu einem wichtigen Lebensraum geworden – besonders im Efeustrauch brüten viele Vögel. In der grossen Bauschutzmauer nisten zudem die Mauersegler, auch Fledermäuse kommen beim Eindunkeln hervor. Der Innenhof ist eine grüne Oase in dieser dicht bebauten Strasse. Ihn abzureissen würde damit auch das Zuhause vieler Tiere zerstören.