Dusse Schloofe!

 

Am Samstag, 2. Juni eigneten sich um acht Uhr circa hundert
Personen den Markplatz an – um dort eine Nacht vor dem Rathaus zu
verbringen. Auf dem Platz wurden behelfsmässige Zelte aufgebaut und
Nachtessen gekocht. Schliesslich übernachteten circa vierzig Personen
unter freiem Himmel mit Mätteli und Schlafsack.

Die Aktion wurde von Recht auf Stadt Basel organisiert, ein
Zusammenschluss von abriss- und kündigungsbedrohten Häusern,
nachbarschaftlichen Initiativen und Einzelpersonen. Wir schliefen
draussen, um symbolisch zu zeigen, dass viele von uns bereits ihr
Zuhause verloren haben oder zu verlieren drohen. Der Steinengraben oder
die Mattenstrasse sind nur zwei bekannte Beispiele, doch gerade in den
ärmeren Basler Quartieren nehmen Massenkündigungen weiter zu.

Fotos:

«Es ist wieder an der Zeit, draussen zu schlafen», hiess es auf dem
Flyer zur Veranstaltung. Damit bezogen sich die Initiant*innen direkt
auf die gleichnamige Aktion, die am 12. Juni 1979 auf dem Marktplatz
stattfand. Nachdem sich Betroffene des Abrisses der Häuser am Unteren
Rheinweg/Florastrasse gegen ihre Verdrängung wehrten, solidarisierten
sich zunehmend andere Mieter*innen. Sie riefen zu einer Demonstration
unter dem Motto «Stopp der Zerstörung von günstigem Wohnraum!» auf. Im
Anschluss schliefen Aktivist*innen auf dem Marktplatz – bis sie von der
Polizei geräumt wurden, was zu harter Kritik an der Polizeistrategie von
SP-Regierungsrat Schnyder führte. Die bedrohten Häuser wurden besetzt,
die mietpolitischen Proteste weiteten sich aus.

Heute leben wir erneut in Zeiten der Wohnungsnot und einer noch
aggressiveren Spekulation mit Wohnraum, währendem das Mietrecht auf
nationaler Ebene angegriffen wird. Dies verlangt nach einem verstärkten
politischen Druck der Stadtbevölkerung. Der Regierungsrat laviert, es
gäbe keine Verdrängung in Basel. Die Zuspitzung der Wohnungsnot
anerkennt er nicht. Nicht einmal die am 10. Juni zur Abstimmung
stehenden minimalsten mietpolitischen Forderungen unterstützt er. Doch
die Weigerung, das Problem anzuerkennen und einen Richtungswechsel in
der Basler Wohnpolitik einzuschlagen, unterstützt direkt die Verursacher
dieser Situation: die renditeorientierten Hauseigentümer, Bauunternehmer
und Immobilientreuhänder, die sich im 4XNein-Komitee versammelt haben.

Sie wissen bestimmt nicht, wie es sich anfühlt, aus seiner Wohnung
geworfen zu werden oder monatelang keine bezahlbare Wohnung zu finden.
Wir wissen es. Wir wissen zudem: Der Markt wird es nicht richten. Darum
machen wir weiter.