Beitrag im Regionaljournal Basel

Am Freitag, 19. Mai sendete das Regionaljournal Basel Baselland des SRF einen Beitrag zur Mattenstrasse 74/76. Dieser ist online abrufbar.

Der Beitrag lässt einige Fragen offen. Vor allem aber erstaunen uns die Aussagen des Vereinspräsidenten. Er gibt an, dass der «Vinzenzverein» keine «so grosse Renditeerwartung» habe und, dass die neuen Mietpreise sich nicht an der neuen Überbauung der Erlenmatt orientieren würden.

In einem vergangenen Schreiben vom 27. April 2013 wurde jedoch gegenteiliges argumentiert:

«Die spezielle Lage nahe der Erlenmatt, der Zustand der Liegenschaft sowie auch die Ziele unseres Vereins, mit dem Ertrag aus den Liegenschaften Sozialarbeit in unserer Pfarrei zu betreiben, haben uns motiviert, ein neues Nutzungskonzept auszuarbeiten.»

Daraus lassen sich drei Schlüsse ziehen:

  • Der «Vinzenzverein» mag vielleicht keine «so grosse Renditeerwartung» wie eine Pensionskasse haben. Doch wie im Schreiben ersichtlich, will der Verein über den Neubau der Mattenstrasse eine Rendite erzielen, um «Sozialarbeit in unserer Pfarrei» zu finanzieren. Indem er an der Mattenstrasse Menschen ihre Lebensgrundlage entzieht, nimmt er Geld ein, um anderen Menschen zu helfen, ihre Lebensgrundlage zu verbessern. Wir verstehen, dass der «Vinzenzverein» finanzielle Mittel braucht, um soziale Projekte zu finanzieren – aber dafür gibt es sozial sinnvollere Methoden, als Menschen zu verdrängen. Denn der «Vinzenzverein» beteiligt sich letztlich damit auch an der Entwicklung im Rosental, bei der leistbarer Wohnraum weichen muss, die Mieten für die gesamte Bevölkerung steigen und letztlich neue finanzielle Engpässe oder gar Obdachlosigkeit entstehen können.
    Der Verein handelt gleich wie ein Immobilieninvestor oder eine Pensionskasse, denn er sieht Wohnraum als Geldanlage, als Mittel zum Zweck, um sich damit zu finanziell zu bereichern. Dass der Wohnraum auch Lebensraum von Menschen ist, scheint ihm egal zu sein. Würde er wirklich sozial verantwortlich handeln, würde er gemeinnützigen Wohnungsbau fördern. Doch zur Entwicklung der Häuser hat er die «Mattenstrasse Immobilien AG» gegründet, in der auch der Bauunternehmer Martin Cron im Verwaltungsrat sitzt.

 

  • Das Schreiben legt auch offen, weshalb der Verein gerade an der Mattenstrasse investieren will: Es ist die «spezielle Lage nahe der Erlenmatt». Wenn der Verein die geplanten Wohnungen zu üblichen Marktmieten des Quartiers anbieten will, spekuliert er darauf, dass die Marktmieten im Rosentalquartier in den nächsten Jahren und Jahrzehnten steigen wird. Jetzt, wo auch im Rosental-Quartier davon ausgegangen werden kann, dass die Mieten steigen, lohnt es sich, in der Mattenstrasse zu investieren. Doch damit treibt der Verein die antizipierte Mietsteigerung im Rosental-Quartier selbst voran.

 

  • Der Vinzenz-Verein besitzt die Häuser seit zwanzig Jahren. Im Radiobeitrag und im angehängten Brief kommt er zum Schluss, dass eine Renovation zu teuer wäre. Doch der Vinzenz-Verein hat seit Jahren nichts mehr in die Häuser investiert. Da ihm die Häuser über ein Erbe faktisch geschenkt wurde, hatte er auch praktisch keine Ausgaben für den Erwerb der Häuser.  Ohne grössere Ausgaben für die Liegenschaft aufzuwenden, profitiert er seit Jahren von den Mieten der hier Wohnenden. Berechnet man mit einer Durchschnittsmiete von 600 Franken für 15 Wohnungen, so nimmt der Verein mit der Liegenschaft jährlich um die 120’000 Franken ein. Seit zwanzig Jahren hat er damit bereits über zwei Millionen Franken  verdient. Die Investitionen hingegen haben sich auf das Mindeste beschränkt, zudem bezahlt er einen Verwalter, der kaum etwas für die Liegenschaft tut. Das ist ein typisches Beispiel von Disinvestition: Lohnen sich Renovationen finanziell nicht, zieht ein Vermieter Gewinn aus der Liegenschaft, indem er seine Investitionen dafür klein hält. Er lässt die Häuser so lange verlottern, bis er argumentieren kann, dass nur ein Neubau sich finanziell lohnen würde – jetzt, wo das Rosental-Quatier wieder ein attraktiveres Quartier für Investitionen ist. Das ist kein verantwortungsvoller Umgang mit einem historisch so wertvoellen Häuserensemble, das teilweise ortsbildgeschützt ist. Liege ihm wirklich etwas an der Liegenschaft und den hier Lebenden, so hätte er sukzessive Renovationen vorgenommen, um die Häuser in einem akzeptablen Zustand zu halten.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s